In dieser Folge meines Podcasts MADLY inspired spreche ich mit Dr. Gert Forschner, der über 30 Jahre als Geschäftsführer der Eugen Forschner GmbH in Spaichingen tätig war. Ein Gespräch über Unternehmertum, Verantwortung, Risikobereitschaft – und die Frage, was Erfolg wirklich bedeutet.

 


„Ich bin eigentlich ungern ins Unternehmen gekommen“

Madlena Tesic: Vielleicht starten wir damit, dass du dich kurz vorstellst.

Dr. Gert Forschner:
Ich werde dieses Jahr 69 Jahre alt, bin seit einigen Jahren im Ruhestand und war über 30 Jahre Unternehmer im eigenen Familienunternehmen, das heute von Geschäftsführern weitergeführt wird. Ich habe nach dem Abitur Wirtschaftswissenschaften studiert, promoviert und bin dann ins Unternehmen meines Vaters eingestiegen.

Ganz ehrlich: Ich bin eigentlich ungern ins Unternehmen gekommen. Ich hätte lieber eine akademische Laufbahn eingeschlagen.


Familienunternehmen: Wunsch oder Verpflichtung?

Madlena Tesic: War es dein eigener Wunsch, ins Familienunternehmen einzusteigen?

Dr. Gert Forschner:
Die offizielle Version ist, es war mein Wunsch. Tatsächlich hatte ich keine große Wahl. Der moralische Druck war sehr hoch. Ich hätte lieber an der Universität gearbeitet und eine akademische Laufbahn eingeschlagen.

Mit der Zeit habe ich mich aber hineingefunden. Erfolge und Misserfolge haben sich abgewechselt – und irgendwann hat es auch Spaß gemacht.


Erfolg, Druck und Verantwortung

Madlena Tesic: Was bedeutet für dich Unternehmertum?

Dr. Gert Forschner:
Unternehmertum kann man nicht aus Büchern lernen. Das muss in einem drinstecken: Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, der Wille besser zu sein als der Wettbewerb.

Und ja – Verantwortung für viele Menschen zu tragen, ist eine große Last. Aber auch eine Aufgabe, die Sinn geben kann.


Risiko – aber bitte kein „Poker-Risiko“

Madlena Tesic: Du hast früh in Elektromobilität investiert. War das mutig oder kalkuliert?

Dr. Gert Forschner:
Beides. Ich habe erkannt, dass sich die Industrie verändern wird und dass das die Zukunft für unsere Firma sein wird. Ein Elektrofahrzeug hat viel weniger Bauteile als ein Verbrenner – das verändert alles.

Ich habe dafür bewusst Risiko genommen: investiert, Schulden aufgenommen, Ingenieure eingestellt. Heute zeigt sich: Es war die richtige Entscheidung.

Aber Risiko darf nie blind sein – es muss aus einem Erfahrungsschatz heraus betrachtet werden. Wer ins Blinde hinein riskiert, begeht wirtschaftlichen Selbstmord.


Was gute Führung ausmacht

Madlena Tesic: Was macht für dich einen guten Geschäftsführer aus?

Dr. Gert Forschner:
Im Mittelstand ist ein Geschäftsführer wie ein Allgemeinarzt – er muss alles ein bisschen können.

Wichtig ist:

 

    • fachliche Kompetenz
    • Ehrgeiz
    • Menschlichkeit
    • und die Fähigkeit, Mitarbeiter mitzunehmen statt sie zu bestrafen

Eine gute Führungskraft ist eine Leitfigur, der Menschen gerne folgen.


Jagd als Ausgleich zur Verantwortung

Madlena Tesic: Was gibt dir Ausgleich zum Unternehmertum?

Dr. Gert Forschner:
Meine wundervolle Familie und die Jagd. Ich bin in einer Jägerfamilie groß geworden. Das hat nichts mit „einfach schießen“ zu tun, sondern viel mit Natur, Verantwortung und Arbeit im Wald.

Das ist für mich ein kompletter Ausgleich – körperlich und mental. Danach ist der Kopf wieder frei. Ohne einen solchen Ausgleich könnte man dem Druck auf Dauer nicht standhalten.


Erfolg in Deutschland – schwieriger geworden?

Madlena Tesic: Kann man heute in Deutschland noch erfolgreiche Unternehmen aufbauen?

Dr. Gert Forschner:
Für Jungunternehmer ist es einfach schwierig geworden: Bürokratie, hohe Kosten, Energiepreise. Deutschland ist kein gutes Land für Unternehmensgründungen.

Aber ich will niemandem den Mut nehmen. Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer. Ohne sie geht es nicht weiter. Ich bin der Meinung, wenn der Markt die Dienstleistung oder das Produkt braucht, dann kann man auch erfolgreich werden.

 


Was am Ende wirklich zählt

Madlena Tesic: Wenn du auf dein Leben zurückblickst – was ist geblieben?

Dr. Gert Forschner:
Das Wichtigste ist der Kontostand, sondern die Freude an dem, was man macht.

Und vor allem: Gesundheit und innere Zufriedenheit. Das ist das größte Gut.


Abschluss: Inspiration im Alltag

Madlena Tesic: Wer oder was inspiriert dich?

Dr. Gert Forschner:
Also heute du und sonst… Mich inspiriert das Leben selbst – und das, was ich mir für’s Alter noch vorgenommen habe. Vielleicht auch ein Buch – der Inhalt eines guten Buches.